Montag, 3. November 2014

ich melde mich mal wieder...

So meine Lieben, lange ist es her, dass ich geschrieben habe, jetzt hört ihr mal wieder was von mir :)
Mittlerweile ist es auch hier Herbst geworden: Wir haben Temperaturen um die 12 Grad und dazu oft kalten Wind- nicht so angenehm... Gut das gerade rechtzeitig noch mein Paket mit den Wintersachen gekommen ist :D dazu kommt noch, dass Zentralheizungen in Griechenland unüblich sind. Wegen des Geldes wird hier in den großen Häusern nur abends für zwei Stunden die Heizung angestellt. Besonders nett wenn man in einem Altbau wohnt wie wir, wo die Fenster verzogen sind und es schön kalt reinzieht.. Also kurz gesagt, im Moment frieren wir uns hier den Allerwertesten ab. Aber Dienstag kriegen wir nen Heizlüfter :D
Ansonsten läuft es hier eigentlich recht gut! Die Arbeit in den beiden Einsatzstellen ist recht unterschiedlich, aber gefällt mir gut. Im Loida habe ich mittlerweile meine Aufgaben und mache meistens das selbe. Momentan bin ich dort leider immer noch nicht über Küche und Wäscherei hinausgekommen, aber mir wurde gesagt, dass sich das im Laufe des Jahres ändern soll, wenn ich etwas mehr Griechisch kann. Die Mitarbeiter im Loida sind supernett und da ich meine Aufgaben nun kenne, gibt es auch nur noch wenige Probleme in der Kommuntikation, da ich einzelne Wörter erkenne oder auch so weiß, was sie meinen könnten. Insgesamt empfinde ich die griechischen Mitarbeiter übrigens sowohl im Kokkori als auch im Loida als sehr herzlich. Die Griechen sind sehr schnell mit Kosenamen und dass gerne mal im Vorbeigehen jemand gestreichelt wird. Im Kokkori habe ich zum Teil auch feste Aufgaben, aber dazwischen leider immer noch viel Leerlauf. Morgens helfe ich die Mädchen fertig zu machen, danach gehe ich in die Küche. Dort gibt es aber scheinbar nicht so viel Arbeit und mit der einen Köchin klappt die Kommunikation leider auch nicht gut. Aber heute hat ich ein Gespräch, wo wir das besprochen haben und abgemacht haben, dass ich in den größten Leerlaufzeiten nun auch andere Aufgaben bekomme. Ich hoffe dass das wirklich so kommt, weil rumsitzen ist auf die Dauer doch anstrengender als Arbeit. Meistens, wenn ich nach Hause komme, bin ich echt fertig, aber ich merke auch, wie ich mich an die Arbeit gewöhne. Was immer noch blöd ist, ist der wöchentliche Wechsel, weil ich jede Woche wieder neu reinfinden muss...
Weil wir alle an einer Gemeindegruppe teilnehmen sollen, singe ich jetzt Dienstagsabends immer in dem Chor, den die Gemeinde dieses Jahr neu gründet. Das macht bis jetzt echt Spaß, auch wenn das Level etwas höher scheint, als in den Kirchenchören die ich kenne...
In der letzen Zeit haben wir uns hier in der Wohnung ganz gut eingerichtet und ich fühle mich mittlerweile recht wohl hier. Wir haben alles einmal geputzt und unsere Zimmer je nach Geschmack hergerichtet. Ich habe jetzt zum Beispiel ein paar Bilder und eine Uhr an der Wand, zwei Blumen und zwei/drei Dekoartikel. Außerdem haben wir uns mit Thermoskannen und Wärmeflaschen ausgerüstet :D Auch an die Stadt habe ich mich gewöhnt und die Großstadt macht mir nicht mehr viel aus.
Maya und Ich bei Ikea :D

Was hier auffällig ist, ist, dass die Polizei vor allem im Zentrum sehr präsent ist. An vielen Straßenecken steht ein Polizist oder zwei und an den zentralen Plätzen steht spätestens abends ein ganzer Polizeibus. Bei Demonstrationen ist gleich ein riesen Aufgebot, auch wenn da nur 30 Leute demonstrieren. Und sie scheinen immer schwer bewaffnet zu sein. Wir haben jetzt ein paar kleinere Demos gesehen und ich hatte nicht das Gefühl, dass die Stimmung sehr aufgeheizt war. Gestern war hier verkaufsoffen und ne etwas größere Demo in der Fußgängerzone, die uns doch nicht so ganz angenehm war, da sind wir dann gegangen. Da ist es dann doch etwas schwierig, wenn man nichts versteht...
Was auch echt präsent ist, ist der Merkelhass. Es ist uns schon oft passiert, dass blöde Bemerkungen kamen, wenn wir sagten, dass wir Deutsch sind. Zum Beispiel auf dem Markt passiert es oft, dass wir gefragt werden, woher wir kommen, wenn die merken, dass wir eine fremde Sprache sprechen. Vor allem Männer sind oft sehr begeistert von Alinas blauen Augen (die griechischen Männer sind übrigens ganz schön draufgängerisch und gucken auffällig) und geben uns dann mal noch ne Zucchini umsonst mit, fragen dann woher wir kommen und dann kommt sowas wie: "Ach ne, Merkel!" oder "Das ist jetzt aber echt ein Problem"... Wir glauben dass das zum Teil auch Spaß ist, wie viel Ernst da jetzt drin ist, weiß ich nicht genau.... Trotzdem sieht man schon deutlich die Zeichen der Krise: Es gibt sehr viele Bettler und Obdachlose, auch viele von den Flüchtlingen. In den Metros ist fast jeden Tag einer, der in den Wagen kommt, seine Geschichte erzählt und bettelt/Sachen verkauft. In Läden sieht man oft Menschen, die eine Armenkarte haben und Rabatt bekommen und an Ampelkreuzungen oder Stellen, wo sich der Verkehr staut, versuchen auch oft Bettler ihr Glück. Oft versuchen sie kleine Dinge zu verkaufen, die Fenster zu putzen und manchmal gibt es auch zum Beispiel "Feuerspucker" oder ähnliches. Was mich sehr erstaunt hat, dass sie zum Teil auch gebildet sind. Uns hat mal einer angesprochen, wir haben wir immer mit "Ich verstehe nicht" reagiert und er hat dann im fließenden Englisch uns seine Geschichte erzählt...
Vor einer Woche war hier der Nationalfeiertag, der Ochitag "Neintag". Da wird irgendwie gedenkt, dass die Griechen im zweiten Weltkrieg Nein zur Italienischen Besetzung gesagt haben und somit auch Nein zum Faschismus.. Es war ganz interessant zu sehen, dass der Nationalfeiertag hier mit einig mehr Nationalstolz und Zeremonie als in Deutschland abgehalten wird. Es hang überall die griechische Flagge, auch an den Metros und Bussen und es gab ein paar Paraden, wo die Hauptstraßen im Zentrum für abgesperrt wurden (Und auch wieder ein riesen Polizeiaufgebot: Am Straßenrand stand auf jeden Meter einer und in jeder Seitenstraße standen bestimmt 20 Polizisten bereit- für uns eher ein komisches Gefühl...). Wir haben uns eine Schülerparade angeguckt. Am Anfang war es ganz witzig zu sehen, mit der Zeit wurde es dann aber langweilig und kalt. Es gab bestimmt 200 Gruppen aus je vielleicht um die 10 Schüler in ihren Uniformen (die armen müssen echt gefroren haben), einer mit der Flagge, einer mit dem Namenschild und die sind dann da alle hintereinanderweg langmaschiert, zwischendurch eine Kapelle und am Ende noch Gruppen wie die Pfadfinder. Die üben das hier wohl schon zwei Monate vorher im Sportunterricht :D





Ansonsten haben wir noch ein paar mal Ausflüge zum Meer gemacht und auch einen Strand gefunden, der echt schön ist. Zwar etwas weiter weg, aber dafür nicht die Badewanne Athens :D einmal waren wir noch in Piräus, dem Hafen von Athen. Allerdings hatten wir zu wenig Zeit eingeplant und haben so kaum was gesehen. Aber das Angebot an Fährverbindungen zu den Inseln ist jedenfalls mehr als reichlich- und unübersichtlich... Den Sonnenuntergang auf dem Lykavitos haben wir leider immer noch nicht erwischt, wir sind immer zu spät... Einmal waren wir noch auf einen wohl bekannten Designermarkt in Gazi, einen Stadtteil von Athen. Das war ganz nett anzuschauen, aber schweineteuer... Apropos teuer: Jetzt wo man mit dem Geld selbst haushaltet, wird man echt geizig. Letztes Wochenende waren wir shoppen und iwie ist selbst ein 20 Euro Pulli zu teuer gewesen, wenn man im Monat "nur" 250 Euro bekommt und davon noch Essen und Haushalt abzieht... Am Anfang hat man sich damit noch voll reich gefühlt, jetzt habe ich wohl grad ne Geizphase :D
Der Haushalt klappt übrigens auch ganz gut. Ich verstehe mich sehr gut mit meinen Mitbewohnerinnen (mit dem Rest der Gruppe übrigens auch) und wir haben auch mittlerweile ein System gefunden, mit dem alle klarkommen. Nervig ist, dass wir den ganzen Einkauf immer zu Fuß schleppen müssen. Da überlegt man sich doch dreimal was man kaufen muss und was nicht... Was uns schon aufgefallen ist, ist dass man unbewusst doch recht viel von den Eltern übernimmt an Angewohnheiten und auch an nervigen Sachen- also Mama und Papa: die Erziehung war nicht umsonst :D Und man versteht jetzt auch, wie nervig es ist, wenn Sachen rumliegen oder die Wäsche nicht abgenommen wird, da entwickeln wir uns selbst mal zur nervenden Mutterrolle :D Es ist auch ganz witzig, die unterschiedlichen Angewohnheiten zu sehen und auch Traditionen. Manchmal diskutieren wir ewig darüber, ob jetzt das eine oder andere richtig ist und am Ende geht doch beides. Man lernt aber auch einiges neues kennen. Und ich lerne fleißig Schwäbisch! :D
Apropos Sprache: Das Griechische macht auch langsam Fortschritte. Wenn sich die Griechen unterhalten, verstehe ich schon einzige Wörter und kann mir auch manchmal das Thema der Unterhaltung erschließen. Selbst reden kann ich noch kaum und der anfängliche Eifer beim Vokabeln lernen ebbt auch langsam ab... Aber trotzdem freut man sich immer über einfache Erfolgserlebnisse ;)
Alina, eine der Mitbewohnerinnen, wird wie ich auch Weihnachten hier bleiben. Das ist ganz gut, weil wir dann nicht so alleine sind. Wir sind uns beide einig, dass Weihnachten ordentlich klassisch gefeiert wird und zwischen den Jahren werden wir wohl etwas herumreisen.
Mit den Weihnachtssachen in den Läden und dem nahen Geburtstag kommt jetzt leider auch langsam etwas Heimweh, was mich bis jetzt noch verschont hat. aber ich glaub das ist ganz normal und wird sich hoffentlich auch weiterhin in Grenzen halten, denn ich fühle mich hier echt wohl und das Jahr macht mir Spaß!
So ich glaube das wars erst mal... jedenfalls fällt mir grad nichts mehr ein :D
LG aus dem herbstlich kalten Athen :)

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